Jeden Moment genießen | Wie macht Ihr Super-Mütter das nur?

Mein Herz schmerzt. Es ist kurz vor Sieben am Samstag morgen und ich bin schon seit über zwei Stunden wach. Erst ich selbst, dann das Baby und viel zu früh der Mittlere, der anstatt weiter zu schlafen Licht anmachte und seine Schwester weckte. Dann war das Baby natürlich auch wieder wach. Ich habe gedroht, geschimpft, den Zeigefinger gehoben. Ich bin so wütend, dass dieses geliebte Kind auch nach 3 1/2 Jahren immer noch die ganze Familie aufmischt. Unsere Tage gerade sind nicht schön. Nicht harmonisch. Geprägt von Geschrei, Augenrollen, Unzufriedenheit, Undankbarkeit. Seitdem das Baby da ist, ist unsere Familienwelt aus den Fugen. Vielleicht ist es der müde graue Schleier, der mich gerade umgibt. Aber ich denke mit Sehnsucht an unseren Urlaub im letzten Jahr zurück, der für mich das absolute Familienglück war.

Überall lese ich wie wichtig es ist, die Zeit mit seinen Kindern zu genießen. Dieses Kleinkind-Zeit, in der sie einem noch ganz gehören. In der sie unsere Nähe suchen, uns brauchen. In der wir sie spüren können in ihrer ganzen Reinheit und Zerbrechlichkeit. Aber ich frage mich, wie all die Super-Mütter das wohl machen? Auch ich habe viele Momente, die mich mit Dankbarkeit und überschwänglicher Freude erfüllen. Aber ich habe viel zu viele Momente, in denen ich das Leben extrem anstregend finde. In denen ich vor lauter To Dos kein Licht mehr sehe. Und nein, ich kann nicht alles stehen und liegen lassen um den Moment zu genießen. Ich muss Dinge erledigen, damit die Mühle am Laufen bleibt. Ich empfinde meine Kinder als laut und unerzogen und möchte dagegen etwas tun. Gerade gestern erst hatten wir wieder eine unmögliche Situation mit meiner Tochter und unserem Besuch. Ich kann nicht alle fünfe gerade sein lassen, weil meine Kinder sonst ihre dreckigen Füße beim essen auf den Tisch legen und sich danach durch das Rumtoben mehr Essen auf dem Boden befindet als in ihren Mägen. Und kommt mir nicht mit, die lernen durch Vorbild. Denn wir legen tatsächlich nicht unsere Füße auf den Tisch! Also erziehe ich, anstatt ihnen verliebt beim essen zuzuschauen.

Ich möchte gerne diese gelassene Mutter sein, die das Leben genießt, die Momente in sich aufsaugt, ihren Kindern alle erdenkliche Freiheiten gibt. Die später von sich sagen kann, dass sie alles gegeben hat. Dass sie es geschafft hat, sich selbst zurück zu nehmen, um ihren Kindern gerecht zu werden. Ich möchte gerne dieses harmonische Bild einer Mutter, die ihre Kinder im Arm hält und ihnen unendlich nahe ist. Ich möchte so eine Mutter sein mit einer innigen Beziehung zu ihren Kindern, die ihr alles anvertrauen. Eine Mutter, die jedes Bedürfnis errät oder erkennt und so die Momente zu wertvollen macht. Doch das alles bin ich nicht. Jedenfalls nicht immer. Oder nur manchmal. Ich genieße auch. Ich geben alles. Ich versuche, sie immer zu sehen und zu spüren. Aber ganz oft sehe ich meine Erschöpfung. Meine Verzweiflung darüber, alles unendlich oft wiederholen zu müssen. Meinen Ärger darüber, dass sie mich herausfordern statt einfach zu funktionieren, damit man eben den Moment mal genießen kann. Meine Traurigkeit darüber, dass ich es nicht schaffe den Ansprüchen gerecht zu werden.

Ich kann die Ratschläge nicht mehr hören. „Die Zeit geht viel zu schnell vorbei!“. „Denk nicht an Deine Müdigkeit, schlafen kannst Du später!“. „Ja, es ist anstrengend, aber das kommt nie wieder!“. Verdammt, das ist mir klar. Und ich sagte ja, mein Herz schmerzt. Bei dem Gedanken daran, dass sie mir entwachsen. Dass sie selbstständig werden. Dass sie frei sein wollen. Dass sie irgendwann gehen und ich hier wieder alleine sitze. Ich könnte heulen bei dem Gedanken daran, dass schon jetzt so viele Jahre um sind von dieser kurzen zauberhaften Zeit. Und doch: Sie ist nicht gerade rosig, diese Zeit. Und ich bin auf der Suche. Auf der Suche nach der Müdigkeit-Egal-Sei-Droge. Nach dem Alles-Macht-Sich-Von-Alleine-Rezept, damit ich mehr Zeit zum Genießen habe. Nach dem Ich-brauche-keine-Schminke-denn-ich-strahle-von-innen-Cocktail, damit ich stets positiv denke.

Also: Kann mir einer davon bitte was besorgen?!

Alles Liebe,

Unterschrift

3 Kommentare zu „Jeden Moment genießen | Wie macht Ihr Super-Mütter das nur?

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