Mamablogs zelebrieren die Geschlechterrollen – Wahr und Falsch

Die Frau gehört in Haus und Hof. Ihr Platz ist am Herd. Ihre Aufgabe sind die Kinder. Der Mann versorgt die Familie und setzt sich an den gedeckten Tisch. Wollen wir das? Nein! Leben wir das? Vielleicht. Vermitteln wir unseren Kindern? Hoffentlich nicht. Die moderne Familie mit Gleichberechtigung der Geschlechter und emanzipierten Frauen und Müttern ist eine Errungenschaft, die nicht nur gefeiert, sondern auch weiter ausgebaut werden sollte. Umso mehr beschäftigt mich die Diskussion um die Mütterblogs, die angeblich die klassischen Geschlechterrollen vermitteln, in denen die Frau das Haus schön macht und es ordentlich hält, die Kinder versorgt und sich selbst in Schuss hält. Alle Aufgaben bewältigt sie selbstverständlich immer perfekt gestylt. Hier ein Beitrag SRF aus der Schweiz.

Meine Frage: Was tue ich hier und wie empfinde ich die Welt der Mütterblogs? Als ich letztes Jahr angefangen habe zu bloggen, hatte ich keinen Namen für das Baby und keinen Plan. Ich wollte einfach endlich wieder schreiben und meinen Drang befriedigen, diese turbulente und ereignisreiche Zeit festzuhalten. Und ich liebe den Austausch – manchmal auch die Provokation. Und nun? Wenn man sich die Artikel anschaut könnte man tatsächlich den Eindruck bekommen, es drehe sich alles nur um Marmelade kochen, Ausflüge mit den Kindern und spannende DIY Ideen. Manchmal ein paar Gedanken zu Baby und Kleinkind. Politisch ist da nichts. Dafür meine Gedanken zumindest manchmal abseits des Mainstreams. Trotzdem: es ist mein Leben und „Mamablogs“ sind eben Blogs von Mamas (meistens für Mamas). Das bedeutet, es dreht sich auch meistens um Themen, die mit der Mutterschaft zusammen hängen.

Nun empfinde ich die Welt der Mütterblogs auch nicht gerade unkompliziert. Ein riesen Haufen an Frauen, der natürlich – wie im realen Leben – auch geprägt ist von Zickereien, Grüppchenwirtschaft und Häucheleien. Dabei sind sie so vielfältig wie ihre Autorinnen und es gäbe – wie auch im echten Leben – gar keinen Anlass dazu. Die einen haben sich voll auf die Babyschiene eingeschossen während anderen bereits bei Themen größerer Kinder angelangt sind. Bei einigen dreht sich alles um das Basteln und Spielen, andere zeigen, wie man mit Kindern gut reisen kann. Viele machen einfach von allem ein bisschen. Und dann sind da die wenigen, die sich auch politisch äußern. Die sich eine Niesche gesucht haben und fundiert recherchieren, oft jounalistisch anspruchsvoll und detailliert. Bezogen auf Mutterschaft und Kinder. Ich persönlich lese von allem ein bisschen. Ich steh auf gute Texte – mal gesellschaftskritisch, mal einfach aus der Seele -, ich suche Ideen für meine Kinder und mich – Basteln, Spielen, Reisen u.v.m. – und ich verfolge einige Blogs, deren Autorinnen ich wahnsinnig sympathisch finde – Inhalt nicht immer ausschlaggebend. Das ist für mich die Welt der Mütterblogs. Jeder sucht sich seine digitalen Rosinen aus, die er mit in sein analoges Leben nehmen möchte. Frei in seiner Entscheidung.

Allerdings gebe ich den Kritikern recht: auch ich empfinde das Bild, das im Netz oft vermittelt wird als unecht und irre führend. Weiße cleane Wohnungen, allzeit gestylte Mütter, aufregende Rezepte, mitten im stressigsten Alltag. Hinter einigem steckt sicher auch viel Leidenschaft. Bei den meisten aber doch eher der Drang nach perfekter Außendarstellung. Nun muss man auch sagen, dass ja niemand im Netz verdreckte Buden und kaputte Mütter sehen will. Klar, zugeben, dass dem so sein kann, ist gut und sorgt für „MehrrealitätaufInstagram“. Aber am Ende gucken sich die meisten doch eher die schönen Seiten des Lebens an. Also: Irgendwie bleibt es eben eine digitale Welt zu der man einen gesunden Abstand halten sollte. Und trotzdem macht sie Spaß, ist vielfältig und bereichert.

Dennoch: Ich wünschte mir mehr Frauen, die ihre Meinung sagen. Die sich trauen unbequem zu sein. Die das Risiko eingehen, auch mal nicht geliebt zu werden. Jeder weiß inzwischen um die Einflussmöglichkeiten der Elternblogs und ich wünschte, sie würde mehr genutzt. Als beispielsweise im vergangenen Jahr die AfD in den Bundestag gewählt wurde, hatte ich einen Aufschrei der Mütter im Netz erwartet. Eine Partei, die offensichtlich das klassische Familien- und Frauenbild stärken will. Die rückgewandt ist und die Mütterrolle wieder in urzeitliche Bahnen lenken will. Dabei ist sie keineswegs konsequent, ist doch ihre Mitbegründerin von Storch, die sich für Familienpolitik engagiert und von den deutschen mehr Großfamilien fordert, kinderlos. Und ihre Vorsitzende Weidel lebt in einer eingetragenen Partnerschaft mit einer Frau. Nicht gerade klassische Familienbilder und auch nicht glaubwürdig. Aber das ist ein weites Feld für Diskussionen. Klar ist aber, dass diese Partei im Gegensatz zum modernen Frauenbild steht und Werte vermittelt, die wir unseren Kindern nicht angedeien lassen sollten. Anna von BerlinMitteMom hat damals etwas dazu geschrieben *Klick*. Das empfand ich als wichtig und richtig und es hat mir aus dem Herzen gesprochen. Davon braucht es mehr. Mehr Meinung zu großen, aber auch zu kleinen Themen. Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird oft besprochen. Aber zu den meisten politischen oder gesellschaftlichen Themen der Öffentlichkeit schweigt die Welt der Mütterblogs und dreht sich um ihren kleine feinen Alltag. Wir müssen uns trauen unbequem zu sein. Unsere Meinung zählt, auch wenn sie nicht jeder vertritt. Die Diskussion ist wichtig und der Austausch. Auch wenn wir das Risiko eingehen, Follower oder Fans zu verlieren. Aushalten, dass Menschen anderer Meinung sind. Zulassen, dass sie diese Meinung äußern. In Kauf nehmen, dass Leute sich abwenden. Authentisch bleiben.
Keine Meinung haben ist keine Option! Und ich nehme mich selbst dabei sicher nicht aus… Die Welt ist im Wandel und wir schreiben hier im Netz über unsere Kinder, denen wir diese Welt hinterlassen. Wir müssen sie mit gestalten, wenn wir wollen, dass sie unbeschwert und sorglos bleiben können. Ob das die Natur, die Politik oder Erziehung ist. Zu irgendetwas hat jeder eine Meinung. Und wir können Einfluss nehmen. Durch die Diskussion. Durch die Transparenz. Einfach durch Mund aufmachen.
Und nebenbei: Ich folge und lese lieber jemandem mit Profil und eigener Meinung, auch wenn es nicht meine ist, als den völlig Angepassten, die immer Angst haben etwas Falsches zu sagen.

Und ich? Was tue ich hier? Im Moment ist mein Kopf durch akute Baby-Müdigkeit so hinüber, dass es mir schwer fällt, solche Texte zu schreiben. Mich zu konzentrieren und eine Lücke zu finden, in der ich am Stück meine Gedanken fassen und niederbringen kann. Aber eigentlich war es das, was ich letztes Jahr wollte. Zu meinem Mann habe ich gesagt: Es gibt genug Blogs zu Stillen, Basteln, Interior und Reisen. Ich möchte meine Gedanken aufschreiben und teilen, auch wenn sie unbequem sind. Das habe ich hier und hier auch schon getan. Ich möchte sagen, wie es ist. Und vielleicht Gleichgesinnte treffen. Oder eben einsteigen in den Austausch. Vor allem aber möchte ich einen Mehrwert schaffen. So wie ich auch bei anderen einen Mehrwert suche. Natürlich stecke auch ich mitten im Kinder-Mutter-Bastel-Müdigkeits-Sumpf. Und ich liebe das. Das hier gerade ist mein Leben und ich stehe dazu, dass ich momentan nicht die eloquenteste Gesprächspartnerin zu neuster Literatur, Oper oder Zeitungsartikeln bin. Aber ich bleibe dran. Ich schaue und lese jeden Tag Nachrichten, ich lese – wenn ich auch für jedes Buch Monate brauche -, ich möchte im Gespräch bleiben, auch außerhalb der Mutterthemen. Das ist wichtig. Trotzdem ist das hier ein Mutterblog. Und das ist gut so. Hier spielt sich mein Leben ab, digital so bunt wie analog.

Fazit: Das Leben als Mutter ist wunderbar – in all seinen Facetten. Und es ist es wert aufgeschrieben und geteilt zu werden. Doch da ist noch mehr. Eine Welt, in der diese Mutterschaft stattfindet. Von der sie geprägt wird und die wiederum von ihr mit gestaltet werden muss. Also: Mund auf und Meinung raus. Und dann weiter basteln!

Alles Liebe,

Unterschrift

 

Bildcredit: Pixabay

 

Mehr Bilder gibt es bei mir auf Instagram. Schaut doch mal vorbei, ich würde mich freuen!

 

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