Jeder Tag ist Muttertag | Warum ich mehr will als Blumen

Nun ist er wieder vorbei, der Muttertag. Überall wunderschöne Blumensträuße und Mütter, die sich gegenseitig gratulieren zu ihrem Dasein als Beste der Welt. Komisch, irgendwie habe ich keinen einzigen Post von Männern gesehen, der ihren Frauen und Müttern ihrer Kinder gewidmet ist… Ich bin kein Fan vom Muttertag, genauso wenig wie vom Valentinstag oder Vatertag. Der Gedanke, an einem bestimmten Tag all jener zu gedenken, die einem besonders wichtig sind oder eine bestimmte Rolle verkörpern, die es zu hofieren gilt, ist per se natürlich nicht falsch. Für viele ist es Anlass, den Liebsten etwas Gutes zu tun, Freiraum zu schaffen oder einfach den Tag über besonders liebevoll zu begegnen. Alles wunderbar. Nur warum genau an diesem einen Tag? Es kommt mir so banal vor, dieses Dankesagen auf einen Tag festzulegen. Ist Dankesagen nicht viel mehr ein situationsgebundene Geste oder eben eine Spontane, Gefühlsgetriebene? Wenn ich überlege, wann ich Danke sage, kommen mir Momente in den Sinn wie: mein Mann führt mich aus und wir haben endlich einmal wieder Zeit uns ganz tief in die Augen zu schauen oder einfach ein paar Stunden zu quatschen. Ich schaue meine Kinder an, wie sie laut kreischend durch den Gartenschlauch springen und mein Herz wird plötzlich warm – ich sage Danke dem da oben. Ich rieche auf der Straße an einer vorbeigehenden Frau das Parfüm meiner Mutter, denke an sie und an die unbeschwerte Kindheit, die sie mir beschert hat oder die warmen Worte, die sie mir zuteil werden lässt, wenn ich mal wieder am Alltag verzweifle. Ich bin ihr dankbar. Am Muttertag selber passieren meisten unvorhergesehen Dinge mit kleinen Kindern oder die Nacht vorher war so schlimm, dass auch kein Make Up hilft. Von meinem gestrigen Tag gibt es auf jeden Fall kein Foto, denn das möchte keiner sehen. 🙂

Ich spreche dem Muttertag nicht seine Berechtigung ab, denn wenn man all die Bilder und glücklichen Gesichter sieht, ist dieser Tag sicher für viele ein besonders Schöner. Doch wenn ich an meine Zweifel und Unsicherheiten, meine Wut und Resignation denke, die neben der Erfüllung meiner Träume, das Mutterdasein mit sich bringt, muss da doch viel mehr sein als ein Blumenstrauß. Ich denke an all die kleinen Dinge, die ich jeden Tag tue und die niemand sieht. An die Murmel, die ich heute morgen zum zehnten Mal aufgehoben habe, damit kein kleines Besucherkind sie unter dem Stuhl findet. An die Mail für die Stadtreinigung, weil wir neue gelbe Säcke brauchen. Oder die Postkarte für einen alten Freund meines Mannes zum Geburtstag, weil er sonst vergessen würde. Ich bin wie ein Hamster, Sisyphus und Dauerläufer in einem. Das ist so gewählt, teilweise selbst aufoktroyiert und doch mein bestes Leben. Aber ich möchte das es gesehen wird. Jeden Tag. Nicht nur einmal im Jahr. Der Muttertag kommt mir vor wie eine Ausflucht, wie eine Entschuldigung, wie eine Ablenkung. Ich brauche definitiv keine Geschenke und ich muss auch nicht auf einen Thron gesetzt werden. Die kleine Gesten zählen. Neulich brachte mir mein Mann einen riesen großen Blumenstrauß mit. An einem völlig normalen Tag und ich fragte: „Warum bekomme ich Blumen?“ Und er sagte nur:“Weil Du toll bist!“ Heute morgen habe ich die Kinder angeschrien. Sie waren laut und ich habe alles zehn Mal gesagt. Kurz bevor wir das Haus verließen – das herrschte schon zwei Stunden Dauerbeschallung – bin ich ausgeflippt. Als ich wieder zuhause war kam eine  Nachricht meines Mannes – aufbauend, gut zuredend. „Du bist eine wunderbare Mutter und gibst immer Dein Bestes!“ Das hat so gut getan – am Tag nach dem Muttertag! Vor ein paar Tagen lag ich abends bei meinem Sohn im Bett und er nahm mein Gesicht in seine kleine Hände und sagte: „Du bist die schönste Mama!“. Viel besser als ein unmotiviertes Bild zum Muttertag, dessen Bedeutung die Kleinen sowieso noch nicht erfassen können.

Immer noch kommt mir die Rolle der Mutter als so verstaubt vor. Ständig wird über die moderne Frau gesprochen – emanzipiert und frei. Doch am Ende sind es immer noch die Mütter, die fast alle Familienangelegenheiten schultern. Mit drei Kindern einen anspruchsvollen Job zu machen, geht eigentlich nur in nahezu Vollzeit. Verständnis für kranke Kinder und Familienauszeiten sind rar. Wähle ich die „Mutter“ als Beruf, wird man degradiert zur gebährenden und putzenden Muttilein. Eigentlich hat man im übrigen dann sowieso nichts zu tun. Ich wünschte es gäbe vielfältigere Möglichkeiten für Mütter ihren ganz eigenen Weg wählen zu können, ohne von anderen (Müttern) beurteilt zu werden. Mehr Miteinander, mehr Mutmachen, mehr gemeinsame Initiative.

Wir sind stark und mutig und selbstlos. Wir Mütter. Wir müssen zusammen halten. Wir sind Feuerlöscher, Soziallebenkoordinierer, Dauertränentrockner, Schietwäscheeinweicher, Aufräumbrummkreisel, Einkaufswiesel, Kochmaries, Familienurlaubsplaner und -packer, Sichselbstversucheninschusszuhaltenbemüher und so vieles mehr. Aber das sind wir jeden Tag. Und wir haben jeden Tag eine Geste verdient.

Alles Liebe,

Unterschrift

Mehr Bilder gibt es bei mir auf Instagram. Schaut doch mal vorbei, ich würde mich freuen!

2 Kommentare zu „Jeder Tag ist Muttertag | Warum ich mehr will als Blumen

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