Leben am Limit mit Baby Nummer 3 | Mamis Breakdown und die Frage: Wo bleibt eigentlich der Ponyhof?!

Da ist sie, die ungeschminkte Wahrheit. Das Leben, so wie es wirklich ist. Kein Instagramfilter, kein perfektes Außenbild, keine Kraft, die bis ins unermessliche reicht. Mich hat’s umgehauen. Weg war der Mut, die Zuversicht, das Stehaufmännchen. Am Wochenende hat’s mich einfach umgehauen. Plötzlich stand ich neben mir, habe meine Hülle von außen betrachtet. Die Stimme meines Mannes war ganz weit weg. Ihm zu antworten fiel mir schwer. Das Rufen meiner Kinder war mir gleichgültig. Viele Stunden habe ich in meinem Bett vor mich hingedämmert. Die Wärmflasche hat mich langsam zur Ruhe kommen lassen. Das Pochen in meinem Kopf hat mich erst rasend gemacht, dann nur noch gequält. Ich habe ihm Angst gemacht, sagte mein Mann. Ich habe mir selbst Angst gemacht, habe ich geantwortet. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Ein Häufchen Elend – überfordert und leer.

Noch im Nachhinein bin ich erschrocken. Einen halben Tag war mein Ich abgetaucht. Was war passiert? Ich weiß es nicht. Ich kann nur vermuten, dass es eine heftige Warnung war: Halt! Du kannst nicht einfach da weiter machen, wo Du aufgehört hast. Du hast ein Baby, gerade sechs Wochen alt! Wie kommst Du auf die Idee, dass Dein Körper und auch Deine Seele schon wieder das alte Leben verkraften können? Wie kannst Du davon ausgehen, dass Du es schaffst, die elend langen To Do Listen abzuarbeiten, während Du drei Kinder, Haushalt und Familienleben managen musst? Wieso denkst Du, dass es nicht wichtig ist, alles liegen zu lassen und etwas für Dich zu tun? Warum meinst Du, Du müsstest es jetzt schon wieder allen recht machen? Warum bildest Du Dir ein, Du würdest schon wieder funktionieren wie vorher, wo Dein Körper fast zehn Monate so unglaublich geackert hat? Warum wagst Du es, Dich nicht mit Deinem Baby einzuschließen, wenn Du doch Sehnsucht danach hast, obwohl Du weißt, dass diese Zeit so kostbar ist? Warum glaubst Du, dass Du die sozialen Medien ständig bedienen musst?

Es ist einfach, sich die eigene Unabhängigkeit, Freiheit und Stärke ständig einzureden. Aber das dann auch immer zu leben, steht auf einem anderen Blatt. Ich bin eine Getriebene, eine ruhelose Person. Ich habe Schlafstörungen und immer das Gefühl, dass irgendwas erledigt oder irgendjemand bedient werden muss. Früher war es schlimmer. Inzwischen kann ich auch mal Abschalten, in der Natur, mit meinen Kindern, in der Date-Night mit meinem Mann. Aber das muss ich vorbereiten. Ich muss mich darauf einstellen, mich abzumelden. Von mir selber und der Außenwelt. Mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren, die Seele frei lassen und auch frei bleiben. Ich muss das Handy ausmachen und möglichst lange auslassen. Am besten gelingt mir das draußen, am Wasser – meinem Element – oder wenn die Sonne meine Haut wärmt.

Was also tun, wenn man so ein Signal bekommt? Überlegen, wie man der Situation entkommt. Dafür habe ich mir vier Dinge vorgenommen, die ich mir jeden Tag wieder vor Augen führen und leben möchte.

1. Dankbar sein

Klar bin ich dankbar. Das sage ich mir selber und das sage ich dem da oben. Dankbar für so so viele Dinge, denn genau genommen bin ich gesegnet. Gesegnet mit einem unbeschwerten Leben in vielerlei Hinsicht. Verschont von großen Schicksalsschlägen. Beschenkt mit einem Mann, der mein Seelenverwandter ist, und drei gesunden wunderbaren Kindern. Bedacht mit einem gesunden vollständigen Körper, der wirklich so einiges aushält. Ja, ich weiß das. Aber weiß ich das? Ich meine, wir Menschen wollen immer mehr, höher, weiter. Und oft spüre ich eine Unzufriedenheit in mir, die ich nicht erklären kann. Ist es ein gesellschaftlicher Druck? Oder mache ich mir ihn allein? Die meisten schielen doch auf andere und bewundern oder beneiden sie für irgendetwas. Ich habe alles, was das Herz begehrt. Es gibt nichts, das mich reicher oder vollkommener machen könnte. Und genau das ist, was ich leben möchte. Jedes Leben hat sein Pros und Cons. Meines ist genau richtig für mich und dafür bin ich dankbar.

 

2. Echt sein

Ich trage mein Herz auf der Zunge. Schon immer und werde ich wohl auch immer. So bin ich und so möchte ich sein. Nicht glatt und berechenbar. Sondern ehrlich und echt. Ich möchte authentisch sein und kein Abziehbild. Ich muss nicht immer blendend aussehen, obwohl ich mich nicht danach fühle. Ich kann dazu stehen, zu viele Häppchen auf dem Empfang zu essen, einfach weil ich genieße. Ich kann laut Schimpfwörter sagen, wenn es mich erleichtert nach einem verdammt langen Tag. Ich kann sagen, dass mein Leben nicht glatt läuft und meine Kinder nicht rund. Ich kann laut heraus schreien, wenn ich glücklich bin und ebenso laut weinen, wenn es sein muss. Ich kann in meinen ausgelatschen Turnschuhen hüpfend zum Spielplatz gehen und abends in Pumps zum Konzert. Ich muss mich nicht entscheiden zwischen Öko, Hippi, Stylisch, Hip, Classic oder Ähnlichem. Ich muss keinem Bild entsprechen und ich muss keinem digitalen Ideal nacheifern. Ich kann ich sein. Bunt, laut und ECHT.

 

3. Zuversichtlich sein

Ich mag das Wort Zuversicht. Es sagt so vieles. Definitorisch heißt es: „Der feste Glaube, dass die Zukunft Gutes bringt.“ Wie könnte man besser durchs Leben gehen? Die Zukunft ist ungewiss und der Glaube, dass sie etwas Positives für uns bereit hält, ist wahnsinnig tröstlich. Findet Ihr nicht? Es bedeutet, dem Schlechten keine Chance zu lassen. Darauf zu vertrauen, dass man beschenkt ist und der eigene Weg gut, richtig und sicher. Ich möchte zuversichtlich sein in Situationen, in denen ich an mein Limit komme. Darauf vertrauen, dass ich es durch diese Situation schaffe – irgendwie – und der da oben Gutes für mich bereit hält.

 

4. Fröhlich sein

Ich wünsche mir nichts sehnlicher als eine fröhliche Kindheit für meine drei Bengel. Unbeschwert zu sein und die Luft mit lautem Lachen zu füllen, das soll meinen Kindern widerfahren. Aber warum nur ihnen? Das beschwingte Gefühl der Fröhlichkeit erhellt alles. Es trägt einen durch den Tag, durch die wache Nacht, durch Höhen und Tiefen. Es lässt einen schweben. Es macht einen milder im Urteil und zugewandter dem Mitmenschen. Es macht einen offen für anderes und neugierig auf neues. Von nichts lasse ich mich lieber anstecken als von lautem Lachen – ob von Kindern oder Erwachsenen (im Übrigen möchte ich diese Menschen immer sofort kennen lernen). Und nichts stimmt mich freier, unbeschwerter als ein ordentlicher Lachkrampf, den ich in die Welt posaunen darf und der mir Bauchschmerzen macht. Davon brauche ich mehr und öfter. Das nehme ich mir vor.

 

Das letzte Wochenende möchte ich gerne aus meinem Kopf streichen. Geht aber nicht. Es war ein Denkzettel, den verpasst zu bekommen es wohl an der Zeit war. Ich werde Revue passieren lassen nach einiger Zeit. Und sehen, ob die Veränderung geglückt ist.

Wart Ihr auch schon einmal in einer solchen Situation? Und wie seid Ihr damit umgegangen? Habt Ihr es geschafft, Euch ganz auf Euch und Euer Universum zu konzentrieren? Ich freue mich über Eure Kommentare.

Alles Liebe,

Unterschrift

 

Mehr Bilder gibt es bei mir auf Instagram. Schaut doch mal vorbei, ich würde mich freuen!

2 Kommentare zu „Leben am Limit mit Baby Nummer 3 | Mamis Breakdown und die Frage: Wo bleibt eigentlich der Ponyhof?!

  1. Mir geht es ähnlich. Mein kleiner Zweiter ist seit knapp drei Wochen da und vor allem der 20 Monate ältere große Bruder raubt mir die Kraft.
    Mama mama mama, nonstop.
    Dem Kleinen gegenüber hab ich manchmal fast ein schlechtes Gewissen.

    Gefällt mir

    1. Ach, liebe Franzi, das erinnert mich an meine ersten beiden. Die Große war auch 20 Monate älter und das erste halbe Jahr war der Hammer! Aber jetzt sind sie ein Herz und eine Seele. Sie sind so nah aneinander und spielen ganz wunderbar. Ganz viel Kraft wünsche ich Dir und vor allem liebe Menschen, die Dich unterstützen und Dir kleine Auszeiten verschaffen. Und wenn es nur zehn Minuten für einen Kaffee sind, in der Dich niemand anspricht! Fordere sie ein!
      Ach ja: ich glaube, die Kleinen halten mehr aus, als wir denken. Er wird sicher spüren, dass Du Dein Bestes gibst!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s