Internationaler Frauentag | Welche Rolle spielen wir?

Heute ist Internationaler Frauentag. Mein Mann gleich: „Och nöööö!“ Das klingt immer gleich so nach Feminismus und Aufstehen für die eigenen Rechte, Protest und einem Aufschrei der Ungerechtigkeit. Niemand braucht einen bestimmten Tag um ein Thema zu fokussieren, aber oft sind sie Anlass genau darüber einmal mehr und intensiver zu reflektieren. Gerade als Mutter, aber auch als Berufstätige und emanzipierte Frau denke ich oft darüber nach, welche Rolle mir in der Gesellschaft zukommt. Beziehungsweise, welche Rolle ich spielen möchte. Und will, auch im Sinne meiner Tochter, der ich natürlich ein Vorbild zu sein versuche. Es geht um die Gleichstellung von Frauen und Männern, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und in Zeiten von #MeToo auch um (sexuelle) Gewalt an Frauen.

Doch wer bin ich? Wie möchte ich mein Leben gestalten? Wo möchte ich eine Rolle spielen und wo überlasse ich anderen das Feld? Was wünsche ich mir für die Zukunft? Meinen eigenen Platz zu finden und diesen auch zu „verteidigen“ ist als Frau gar nicht so einfach. So viele gesellschaftliche Ansprüche und Erwartungen prasseln auf einen ein und verunsichern mich. Ich bewundere nicht jene Frauen, die einen vorgegebenen „modernen“ Weg gegangen sind. Und ich bewundere nicht die nur die starken, selbstständigen Frauen, die emanzipiert und selbstbewusst ihren Weg verfolgen, komme was da wolle. Ich bewundere die Frauen, die mir zeigen, dass der Weg, den sie gewählt haben, für sie richtig ist und sie glücklich macht. Mir imponiert am meisten, wenn eine Frau mir authentisch vermitteln kann, dass der Platz, den sie eingenommen hat selbst gewählt ist und sie ihr Leben so gestaltet, wie sie es für sich möchte.

Internationaler Frauentag (1)

 

Selbstverständnis und Rollenbilder

Ich kenne Frauen, die Karriere machen, viel Geld verdienen und hoch hinaus wollen. Das ist bewundernswert und vermittelt so viel Ehrgeiz und Stärke, um die ich sie manchmal beneide. Aber die meisten bekommen auch Kinder und sind ständig zerrissen zwischen ihren eigenen und den Bedürfnissen ihrer Familie. Kaum eine kann mir glaubhaft weismachen, dass ihr Modell sie wirklich glücklich macht. Wenn eine Frau sich für einen intensiven beruflichen Weg und die damit verbundene Selbstverwirklichung entscheidet, ist das gut und richtig und nachvollziehbar. Doch dann sollte man hinsichtlich des eigenen Lebensweges doch seine Umgebung auch entsprechend gestalten. Einige Wenige schaffen den Spagat und zeigen mir, dass es geht – diese Vereinbarkeit. Das imponiert mir sehr.

Ebenso kenne ich Frauen, die sich für das extrem klassische Rollenbild entschieden haben. Die immer schon zuhause bleiben und viele Kinder bekommen wollten. Die ihre Rolle in der Mutter und Hausfrau sehen und die des Mannes im „Versorger“. Sie begeben sich in eine selbstgewählte Abhängigkeit und ich weiß nicht, ob ich das Modell mittragen könnte. Dennoch: einige von ihnen vermitteln glaubhaft, dass dieser Lebensweg genau auf sie zugeschnitten ist. Es sind keine langweiligen Heimchen am Herd, sondern selbstbewusste Frauen, die ihren Lebensinhalt aus der Erziehung ihrer Kinder und dem Aufrechterhalten der Familie ziehen, ohne ganztägige Fremdbetreuung und Putzhilfe. Ruht die Frau in sich selbst, bewundere ich das. Jeder Weg kann richtig sein, wenn man sich bewusst für ihn entscheidet. Auch in diesem Kreis kenne ich aber Frauen, die nicht zufrieden mit ihrem Platz sind. Die eigentlich Anderes, Eigenes und Mehr wollen. Und es aber nicht leben.

Internationaler Frauentag (2)

Internationaler Frauentag – mein Selbstbild

Und ich selber? Vorgelebt bekommen habe ich das Rollenbild einer Frau, die alles kann. Ordentliche Karriere, Kinder, pädagogisch wertvolle Erziehung, gute Ehefrau und Gastgeberin, Organisatorin und einfühlsame Freundin. Liest man Zeitung und verfolgt die Diskussionen über Frauenquote, Mutterrollen und Ähnliches, wird der Druck nicht weniger. Viele Jahre habe ich mit mir gehadert, wo ich hin will und wie ich gesehen werden möchte. Mir wurde viel geraten. Mir wurde ein schlechtes Gewissen gemacht – ob nun wegen mangelnden beruflichen Ehrgeizes oder gegenteilig, wegen zu frühen Wiedereinstiegs nach den Kindern. Anstatt mich zu fragen, was mich ganz persönlich glücklich macht. Was mich erfüllt, hier und jetzt. Nicht nur, was ich tun muss, um mit 65 glücklich zu sein. Erst jetzt in meinen 30ern entwickele ich ein Gefühl für meinen eigenen Weg. Das liegt auch daran zu erkennen, wer die eigentlichen Vorbilder sind und warum. Vorbilder sind für mich nicht die Frauen, die aus gesellschaftlicher Sicht ein bestimmtes Ziel , eine bestimmte Phase der Unabhängigkeit, einen bestimmten Familienstand erreicht haben. Sondern die Frauen, die ihren Weg glaubhaft, enthusiastisch und froh beschreiten. Egal, ob ihr Frauenbild nun „veraltet und nicht mehr zeitgenmäß“ ist oder man sie zu den karrieregeilen Superwomen zählt.

Ich für meinen Teil versuche mich zu lösen von den gängigen Bildern. Von den Vorgaben so oder so zu sein als Frau. Dies oder Jenes zu „erreichen“. Ich versuche mir selbst zu vertrauen und Dinge auf mich zukommen zu lassen, die mir früher vielleicht Angst gemacht hätten. Das ist nicht gerade einfach, doch stelle ich positive Energie bei mir fest. Weniger verbissen, mehr offen für Alternativen. In einigen Dingen bin ich emanzipiert und selbstbewusst und beharre auf Gleichberechtigung. In anderen Lebensbereichen bin ich die „klassische“ Frau, möchte aufgefangen werden und „schwach“ sein. Ich habe berufliche Ansprüche, die ich mir aber selbst stecke und die vereinbar sind mit meinen Ansprüchen an Familienzeit und Kindererziehung. Ich empfinde es als befreiend, mir selbst gegenüber offen zu sein und so eine gesunde Mischung zu leben, die ich mir selbst ausgesucht habe.

Internationaler Frauentag (3)

Und meine Tochter? Ich wünsche mir für sie weniger Druck. Weniger Druck, sich für eine gesellschaftlich vorgegeben Rolle entscheiden zu müssen. Weniger Druck, ihr Leben komplett planen zu müssen. Weniger Druck, einem Bild zu entsprechen. Ich wünsche ihr Selbstbewusstsein,  ihren ganz eigenen Weg als Frau zu finden, der auch mal Umwege machen kann. Ich wünsche ihr Zuversicht und Glaube daran, dass es viele verschiedene Modelle gibt – die alle richtig und wichtig sind. Und ich wünsche ihr Freiheit zu wählen.

Welches Rollenverständnis von Mann und Frau habt Ihr? Denkt Ihr darüber nach, ob Euer Weg richtig ist oder lasst Ihr das Leben einfach auf Euch zukommen? Ich freue mich über Eure Kommentare!

Alles Liebe,

Unterschrift

 

4 Kommentare zu „Internationaler Frauentag | Welche Rolle spielen wir?

    1. Das klingt sehr gut und als hättest Du Deinen ganz eigenen weg gefunden. Ich hoffe, dass ich das auch weiterhin so schaffe. Ist gar nicht immer so einfach. Aber wir Frauen sollten uns dabei unterstützen und Druck abbauen. Liebe Grüße!

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