Endspurt, ich bin bereit! | Gedanken zum dritten Kind

Da bist Du. In meinem Bauch. Kaum noch Platz und trotzdem so präsent. Fast durchgängig erinnerst Du mich jetzt daran, dass es bald so weit ist. Dass Du Dich nun auf den Weg machen wirst – hinaus in diese Welt, in diese Familie. Nervosität liegt in der Luft. Eine positive Nervosität. Nach einem schweren Start und Zweifeln, wie das wohl so werden wird, stehst Du nun in den Startlöchern und die schönen Gedanken gewinnen fast immer die Oberhand. Und die Neugier. Nicht nur Deiner Geschwister, die sich streiten, ob Freddi Pettersson Jürgen der richtige Name ist. Auch Deiner Eltern, die endlich wissen wollen, was da kommt. Ein Räuberhauptmann oder doch eher ein Elfling? Wirst Du zart sein und schüchtern? Oder doch streitbar und wild, wie ein Ritter? Es ist gleich. Du bist gut. Du bist richtig. Du bist gewollt.

Ich male mir aus, wie das Leben mit Dir sein wird. Wie Du mit Deinem großen Bruder bolzen gehst. Wie Deine große Schwester Dich liebevoll tröstet. Das sollte ich nicht. Ich habe viel zu viel geplant in meinem Leben. Ich habe viel zu konkrete Vorstellungen. Ich muss loslassen. Auch Dich. Mein Bild von Dir. Mein Bild von dieser Familie. Ich sollte mich frei machen. Frei von Erwartungen. Frei von Bildern der Harmonie und des perfekten Glücks. Ich möchte Dich willkommen heißen. Ohne Erwartungen an Dich. Ohne Pläne. Einfach so, wie Du bist und so, wie es kommt. Es gibt jemanden, der Dich geschickt hat und der weiß was er tut.

Mein Herz schmerzt, wenn ich Dich vor mir sehe. So klein und zerbrechlich. Schaffe ich das? Dich zu behüten, Dich zu ehren, Dich zu sehen? Immer? Das Kinderglück ist mein größtes Glück. Und so wirst auch Du mich bereichern, wie nichts sonst. Aber das Herz trägt auch immer die Angst. Angst, Dir nicht gerecht zu werden. Angst, „es nicht richtig zu machen mit Dir“. Angst, Dich zu verlieren.

Ich habe mich vorbereitet. Ich bin froh und guten Mutes. Ich schiebe weg und mache mich frei. Frei für Deine Ankunft. Die Angst wird nicht siegen, sondern der Frohmut. Das Leben soll auf uns einprasseln und wir werden es zu nehmen wissen. Wir werden uns festhalten und zusammen die Wellen bereiten. Laut juchzend und ausgelassen sorglos. Und die Gischt wird uns ins Gesicht spritzen und wir werden sagen: „Komm doch! Das bisschen Wasser, was soll’s!“ Wir werden tapfer schwimmen und an Land kommen. Und uns dann lachend in den Sand werfen und sagen: „Gemeistert!“

Ich wünsche mir mit Dir ausgelassen zu sein. Eine fröhliche Mutter, die auch mal alle fünfe gerade sein lässt. Ich wünsche mir, mit Dir auf Augenhöhe zu sein. Dich ernst zu nehmen. Aber mehr als alles andere wünsche ich mir mit Dir glücklich zu sein. Glücklich einfach weil es uns gibt. Unser kleines Universum, das sich dreht und uns trägt. Für immer.

Ich bin bereit. Mach Dich auf! Wir warten auf Dich!

Deine Mami <3

4 Kommentare zu „Endspurt, ich bin bereit! | Gedanken zum dritten Kind

  1. Liebe Sophia, dein Text ist wunderschön! Unnachahmlich wie du deine Gefühle ausdrückst, die wohl jede Mutter nachvollziehen kann. Der kleine Mann kommt in eine fantastische Familie mit so viel zu Geben!

    Herzlichst,
    Pam

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