Gehört Egoismus auch zur Selbstfürsorge einer Mutter? | Schlechtes Gewissen versus Erkenntnis

Selbstfürsorge. Das will ich. Darüber schreibe ich. Das rate ich anderen. Aber wie viel Egoismus gehört eigentlich dazu? Und wie viel davon ist gesund? Immer wieder hört man diesen Standard-Spruch: „Geht es der Mutter gut, geht es den Kindern gut.“ Ich mag ihn nicht besonders und doch beinhaltet er so viel Wahrheit. Ich bewundere die Mütter, die den Mittelweg gefunden haben. Die sich selbst sehen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und diese auf verschiedene Weise befriedigen – immer im Einlang mit der Familie. Doch das sind nicht viele. Es gibt die Übermütter, die sich aufopfern, alles geben für ihre Kinder. Die ganz sicher wunderbare Mütter sind, aber wie mit Scheuklappen ihre Umgebung und die eigenen Bedürfnisse ignorieren. Es wird einem Angst und Bange bei dem Gedanken, dass diese Kinder irgendwann erwachsen sind und aus dem Haus gehen. Was bleibt dann noch? Und ich kenne auch die andere Sorte. Die Mütter, die ihre Kinder möglichst immer abgeben, fremd betreuen lassen, um so viel Zeit wie möglich für sich selbst zu haben. Und die ist dann auch nie genug. Ganz sicher wollen auch sie nur Gutes für ihre Kinder, aber bei einigen frage ich mich doch, wozu sie welche bekommen haben, wenn Familienleben eigentlich überhaupt nicht stattfindet. Und wenn, dann nur gezwungenermaßen und ganz sicher nicht mit Hingebung.

Egoismus der Mutter als Selbstfürsorge (5)

Anlass zu diesem Artikel ist der heutige Morgen. Nachdem wir uns über die Weihnachtsferien alle ganz gut erholt hatten – vor allem die Kinder – sind nach drei Wochen Kindergarten alle wieder völlig verrotzt und übermüdet. Das ist ein Teufelskreis, der mich manchmal verzweifeln lässt. Unser kleiner liebster Kotzbrocken, gerade erst drei geworden, ist völlig durch den Wind und veranstaltet hier Familienterror. Das zehrt an den Nerven und nach 2 1/2 Stunden am Morgen bin ich eigentlich schon durch mit dem Tag. Ich sehe ihn an und weine ob der Hilflosigkeit dieses Knirpses. Eine Mischung aus Müdigkeit, Selbstfindung und Terror, denn er weiß ganz genau, was uns trifft. Heute morgen wusste ich, dass ich ihn eigentlich zuhause behalten müsste. Nicht wirklich krank, aber dick erkältet und unausgeschlafen, hätte ihm ein Tag zuhause mit Mami gut getan. Doch ich konnte nicht. Der Gedanke, das den ganzen Tag zu ertragen, machte mir Angst. Im achten Monat schwanger hatte ich selber kaum geschlafen und wusste, er würde mich auch um meinen Mittagsschlaf und all die Dinge bringen, die heute anstanden. Ich brachte ihn also in die Kita, mit dem Wissen, dass er dort zwar gerne ist, aber am Nachmittag völlig erschöpft noch mieser drauf sein würde. Der PURE EGOISMUS!

Und, darf man das? Hätte ich nicht mich, das Baby und alle meine To Dos über Bord werfen müssen? Das schlechte Gewissen wird mich begleiten, den ganzen Tag.

Und doch: etwas regt sich in mir. In vielen Momenten opfere ich mich auf. Stelle mich hinten an, verschiebe meine Prioritäten. Für meine Kinder und Familie. Die ich selber gewählt habe und die mich bereichern. Auch an schlechten Tagen. Doch manchmal geht es einfach nicht mehr. Manchmal muss ich an erster Stelle stehen, um zu funktionieren. Ich weiß, dass ich heute Nachmittag brüllen würde, keine Kraft hätte für die ruhige Auseinandersetzung, dürfte ich nicht heute Vormittag ein paar Stunden nur mit mir zusammen sein. Egoismus gehört zum Muttersein dazu. In Situationen, in denen es nicht anders geht, auch mal Nein zu sagen und bewusst eine Entscheidung gegen das Gewissen zu treffen. Kraft schöpfen und sich freimachen von den Zwängen, auferlegt von sich selbst und anderen. Dazu zu stehen, sich gegen die Selbstlosigkeit und für das Auftanken zu entscheiden.

Egoismus der Mutter als Selbstfürsorge

Das schlechte Gewissen sagt: Du bist verpflichtet! Die anderen sagen: Du hast das doch selber so gewählt! Die Gesellschaft sagt: Das Kind steht an erster Stelle und Du musst seine Bedürfnisse sehen. Doch es gibt Situationen, in denen ich den Ansprüchen nicht mehr gerecht werden kann. Dann brauche ich eine Auszeit. Dann muss ich mir klar machen, dass dieser egoistische Moment, in denen ich gegen das Offensichtliche handele zu einer Linderung führt. Ich gebe das erschöpfte Kind in die Kita, um meiner Erschöpfung Herr zu werden. Denn nur dann kann ich den Tag mit dem Kind so gestalten, dass ich ihm gerecht werde. Dass ich die ruhige, verständnisvolle und hingebungsvolle Mutter bin, die es verdient.

Meine Erkenntnis ist heute also, dass ein gesundes Maß an Egoismus mir als Mutter nicht nur zusteht, sondern auch gut tut. Dass die Entscheidung für mich und gegen die Vernunft und damit auch gegen das Bedürfnis des Kindes in dieser Situation nicht nur für mich, sondern auch für die anderen die Richtige ist. Egoismus ist in erster Linie ein negatives Wort. Doch bewirkt er manchmal positive Veränderung: Selbstfürsorge.

Alles Liebe,

Unterschrift

2 Kommentare zu „Gehört Egoismus auch zur Selbstfürsorge einer Mutter? | Schlechtes Gewissen versus Erkenntnis

    1. Danke Dir! Komisch, dass es wohl so sein muss… ein bisschen Abstand und schon hat man wieder mehr Kraft füreinander. Ein kleines schlechtes Gewissen bleibt wohl trotzdem in solchen Momenten. Ich muss nur lernen, damit zu leben.

      Gefällt 1 Person

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