Inselliebe Föhr | Nichts geht über eine steife Brise

Immer wieder träume ich mich in die Ferne und die Nordsee ist eines meines liebsten Reise- und Traumziele. Als Kind schon fuhren wir jeden Herbst auf die wunderbare Insel Föhr und nun führen wir die Tradition mit den eigenen Kindern fort. Warum ich diese Insel liebe und von unserem letzten Urlaub dort, wollte ich Euch schon lange erzählen.

Seitdem ich in Hamburg wohne, brauche ich im Sommer eine Auszeit mit Sonnengarantie. Leider bietet die raue Nordsee diese Garantie nicht, weshalb ich ihrer dann untreu werde. Doch im Herbst scheue ich die unruhige See nicht. Jeden Tag eine Wetterüberraschung, jeden Moment ein anderes Licht, immer bereit für den großen Regenguss. Es gibt kein falsches Wetter, es gibt nur falsche Kleidung. Wer sich nicht scheut, die Stiefeletten und den noblen Mantel zuhause zu lassen, kann im Herbst eine wunderbar entschleunigende Zeit in der ursprünglichen Natur auf Föhr erleben.

Föhr33

Doch wie die anderen Nordseeinseln auch, ist Föhr inzwischen sehr beliebt, sodass man früh buchen muss, möchte man noch die Auswahl haben. Vom großen komfortablen Hotel bis zur kleinen Kate ist alles zu haben. Wir entscheiden uns immer für eine Ferienwohnung oder ein -haus mit Selbstversorgung. Unabhängigkeit ist uns mit so kleinen Kindern wichtig und meist gibt es niemanden, den es stört, wenn die beiden mal wieder ihr kindliches Temperament spielen lassen. Leider kann ich Euch unsere diesjährige Unterkunft nicht empfehlen, da sie verkauft wurde und zukünftig nicht mehr für Feriengäste zur Verfügung steht. Es gibt verschiedene Agenturen auf der Insel, die auch vermitteln und die individuellen Wünsche und Vorstellungen umsetzen. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel hier haben wir schon gebucht und wurden nett betreut: https://www.mein-foehr-urlaub.de/. Hier haben wir schon mit den Großeltern gewohnt, allerdings in einem anderen Jahr: http://www.foehr-feriendomizile.de/html/64.html. Wir quartieren uns gerne abseits des großen Trubels in Wyk in einem der kleinen Dörfer ein, die auf der ganzen Insel verstreut liegen. Am liebsten natürlich in der Nähe des Meeres. Mit größeren Kindern kann man aber auch gut im Inselinneren wohnen und mit dem Fahrrad an den Strand fahren. Ein bisschen suchen wir den Ort auch immer nach dem Domizil aus. Das Gesamtpaket muss stimmen: Unterkunft, Weg zum Meer und Infrastruktur – vor allem ein Bäcker und ein Fahrradverleih sind unerlässlich. Einen Fahrradverleih gibt es eigentlich in jedem noch so kleinen Ort. Viele haben Kinder- und Hundeanhänger, einige sogar die großen Babboe-Fahrräder.

Zeitnah zur Buchung der Unterkunft, sollte man sich auch um Tickets für die Fähre kümmern. Wir haben für die Rückfahrt nur noch eine Fähre um 18:30 Uhr bekommen. Aus dem Haus mussten wir aber bis 10:00 Uhr raus, sodass wir einen ganzen Tag bei strömendem Regen im Auto, Restaurant, Museum und Indoor Spielplatz verbracht haben, obwohl wir nachhause wollten.

Man möchte meinen, eine Nordsee Insel im Herbst muss furchtbar langweilig sein. Ohne Kinder kann das sicher der Fall sein, wenn das Wetter nicht mitspielt. Dennoch sollte man den Erholungseffekt der Nordsee-Luft nicht unterschätzen. Man wird ordentlich durchgepustet und schläft abends wie ein Baby. Mit Kindern ist man gezwungen, raus zugehen und die Insel zu erkunden – möge das Wetter kommen wie es wolle. Meine Mutter sagte immer: „Sobald der Regen aufhört, sofort raus.“ Und das beherzigen wir. In der Bude fällt mir mit meinen doch eher lebhaften Kindern nach kurzer Zeit die Decke auf den Kopf. Was also macht man auf Föhr?

Zuerst natürlich ab ans Meer, rein ins Watt und die Nase ganz tief in den Sand stecken. Wir wandern so gern am flachen Wasserrand entlange wenn das Meer gerade kommt oder geht und sammeln, was uns so in die Eimer kommt. Dieses Jahr waren hoch im Kurs die kleinen Quallenstückchen, die in der Sonne so glitzern wie helle Edelsteine. Aber natürlich findet man mit geschultem Blick auch jede Menge eingegrabene Krebse oder schöne heile Muscheln. Natürlich setzen wir die Krebse bald wieder aus und schauen zu, wie sie sich ziemlich schnell davon machen oder in Windeseile eingraben. Der Strand ist für Kinder ja sowieso ein Paradies und in Utersum am Ende der Insel findet man den breitesten und schönsten Strand mit viel Südsonne. Einen Strandkorb zu mieten macht hier vor allem Sinn gegen den Wind. Darin kann man herrlich picknicken, wenn man die erste Runde gespielt hat und die Eltern sitzen geschützt und können eventuell sogar ein paar Seiten lesen. Bei Flut ist unsere Papi an der Reihe und fängt jede Menge kleine Fische, Garnelen und andere Tierchen für die Kinder in den Eimern. Letztes Jahr haben wir einen großen Haufen Krabben sogar selber gekocht und gepult. Ein unglaubliches Erlebnis, auch für die Kids. Neben dem breiten, doch eher windigen Strand in Utersum kann ich noch den Steilküsten-Strand bei Hedehusum empfehlen. Hier geht es ruhiger zu, aber man kommt nicht so gut an den Strand heran, mit Auto schon garnicht. Es heißt also mit dem Fahrrad über den sandigen Waldweg. Doch es lohnt sich! Wir waren meistens fast alleine und in den ursprünglichen Steilhängen habe ich also Kind schon gespielt.

Mit dem Fahrrad haben wir viele Touren quer über die Insel gemacht. Immer wieder kann man stehen bleiben, um Tiere, Natur oder wie in Süderende eine Kirche anzuschauen. Auf den Wiesen hat das Töchterchen tonnenweise Trockensträuße fabriziert, so wie ich als kleines Mädchen schon. Eine sehr meditative und ausgleichende Beschäftigung. Die Maisfelder bieten alles was man braucht zum Puppen basteln (darüber habe ich hier schon berichtet). Und auch Fallobst haben wir gesammelt und daraus selber Apfelmus mit Zimt gemacht.

Ein weiteres Highlight ist immer die alte Lembecksburg, nahe Borgsum. Es handelt sich um eine alte Ringwallanlage, die zu einer Burg gehörte. Inzwischen sieht man nur noch einen großen Wall, auf dem man herrlich laufen und spielen kann. Wir haben als Kinder Stunden hier verbracht und uns die fantasievollsten Spiele rund um die Burg ausgedacht. Ein uriger, geheimnisvoller Ort, der mich bis heute fasziniert. Dieses Jahr haben wir mit den eigenen Kindern das erste Mal Drachen steigen lassen. Der Wind hat enorme Kraft hier oben und man kann mit den Drachen um die Burg laufen. Der Blick schweift über die weite flache Insel und wenn man diese nordische Landschaft liebt wie ich, geht einem das Herz auf.

Überall auf der Insel gibt es noch recht ursprüngliche Bauernhöfe. In den meisten kann man frischeste Milch, Yoghurt und andere Produkte direkt vom Bauern kaufen. Und fast immer sind die Menschen freundlich und lassen einen mit den Kindern ihren Alltag beobachten. Auch dieses Jahr haben wir gefragt, und durften auf einem Hof nahe Utersum beim Melken und Füttern zuschauen. Für unsere Großstadtkinder ein unglaublich prägendes Erlebnis. Und die unbehandelten Milchprodukte, die unsere Geschmacksnerven eigentlich gar nicht mehr kennen, haben ihnen so richtig gut geschmeckt.

Auch Ponyreiten gibt es zu genüge. Das war meiner Kinder sehnlichster Wunsch. Letztes Jahr habe ich meine alten Reitkünste ausprobiert, dieses Jahr waren die Kinder dran. Auf dem Inselgestüt Christiansen bekommt man ganz unkompliziert zwei kleine Ponys in die Hand gedrückt und schon geht’s los. Erwachsene können hier aber auch Ausritte und Reitstunden buchen.

Doch was, wenn es tatsächlich einmal einen Tag ohne Regenpause gibt? Das ist uns in 10 Tagen dieses Jahr nur an einem Tag passiert. Auch dafür ist die Insel gerüstet und bietet ein paar Highlights, auch für kleine Kinder.

1. Das Wattenmeer-Museum im Nationalparkhaus: hier kann man alles sehen, erkunden und anfassen, das mit dem Wattenmeer zu tun hat. Eine echte kleine ausgestopfte Robbe ist für die meisten Kinder das Highlight. Verbunden haben wir es manchmal mit einer Runde Pommes in der Fußgängerzone von Wyk, gleich nebenan.

2. Friesenmuseum Föhr: Ein etwas anspruchsvolleres, aber deswegen nicht weniger sehenswertes Museum ist das Friesenmuseum. Hier gibt es verschiedene Sammlungen, teilweise historische Güter, teilweise die Föhrer Vogelwelt. Es gibt viel zu entdecken für Groß und Klein, teilweise auch mit kleinen Mitmachaktionen oder Filmen.

3. Waffelessen in Nieblum: die besten warmen Waffeln gibt es in Nieblums Café Cappuccino. Warme frische Waffeln mit Obst der Saison und Vanilleeis. Ich könnte mich reinlegen! Wenn das Wetter nicht allzu schlecht ist, findet man in Nieblum auch einen sehr netten Spielplatz, direkt hinter der Tankstelle.

4. Indoor Spielplatz in Wyk: Ich muss zugeben, dass ich gar kein Fan von Indoor Spielplätzen – ja vielleicht sogar ein Gegner – bin. Aber an unserem Abfahrtstag mit acht Stunden strömendem Regen, die wir rumbringen mussten, wussten wir uns nicht anders zu helfen und sind in diesen Funpark gegangen. Meine Kinder fanden es natürlich grandios und ich muss sagen, die Luft und die Leute waren auch einigermaßen erträglich. Also, wenn gar nichts mehr geht, geht das.

So, nun wisst ihr, warum ich so wahnsinnig gerne auf diese Insel fahre. Ich fühle mich frei, gesund und ausgeglichen. Das einfache Leben ohne die große Bespaßung erdet uns alle und zeigt uns, wie schön es ist, die kleinen Dinge im Leben und in der Natur zu entdecken. Zeit für uns als Familie ist hier kein rares Gut und die innere Ruhe, die sich einstellt, tut der Stimmung so gut. Ja, man muss im Herbst bereit sein, sich spontan dem Wetter anzupassen. Aber wenn man Matschhosen und zerstörte Frisuren in Kauf nimmt, kann man hier eine unendlich entschleunigende Zeit verbringen. Ich kann nur immer wieder schwärmen und mich auf das nächste Mal freuen.

Alles Liebe,

Unterschrift

Föhr34

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s