Wie kann ich dir gerecht werden? | Drei Herzen schlagen in meiner Brust

Drei Wesen, drei Seelen, drei Leben. Ich werde einem dritten Kind das Leben schenken und der Gedanke daran lässt mich Luftsprünge machen. Doch er bringt auch Unsicherheiten. Wie kann ich Dir gerecht werden?

Dir, meiner großen Tochter, meiner Erstgeborenen. Meinem folgsamen, ruhigen Mädchen, das so gerne bastelt, puzzelt und am liebsten mit anderen Kindern kichert und spielt. Ich liebe die Stunden allein mit Dir, die wir so intensiv verbringen. In denen Du Deine Phantasie entfaltest und Geschichten erfindest, die ich mir nicht erträumen könnte. In denen wir in Rollenspielen versinken und nicht mehr aufhören können, weil Du es so genießt, einzutauchen in eine andere Welt. Diese Momente sind jetzt schon nicht häufig und werden mit einem Geschwisterchen mehr noch seltener. Ich habe Angst, dass Du mir entgleitest, Dich flüchtest in Dich selbst oder zu anderen, wie Du es schon getan hast in Zeiten der Unsicherheit und des Umbruchs. Ich will Dich festhalten und Dir sagen: „Ich sehe Dich!“ Du wirst mir immer nahe sein, Du bist etwas ganz Besonderes und Du kannst immer kommen.

Dir, meinem kleinen großen Sohn, der so viel von mir fordert. Der mich herausfordert und auffordert, der so viel einfordert und der Du mich mit Deinem Charme immer wieder einfängst. Du nimmst so viel von mir in Anspruch: meinen Körper, den Du brauchst zum Kuscheln und der sich anstrengt, Dich im Zaum zu halten. Meinen Geist, der sich Sorgen um meinen temperamentvollen Sohn macht, der doch gleichzeitig so sensibel und zerbrechlich ist. Meine Seele, die Dir nie lange böse sein kann und die Dich sieht, so wie Du wirklich bist. Der Junge, der nach außen raufend sich auf dem Boden wälzt, doch der innerlich eigentlich ganz viel Halt braucht und Zeit, im Spiel und bei den geliebten Büchern die innere Ruhe wieder zu finden. Wie viel Zeit werde ich haben, um den Ausgleich zu schaffen, wenn Dein Brüderchen da ist?

Und Du, kleines ungeborenes Wesen, das sich mir noch offenbaren wird. Wie wirst Du sein? Wie werden wir sein? Wie werde ich mit Dir sein? Wie viel wirst Du als Dritter noch zu melden haben? Und wie viel Rücksicht kann ich auf Dich nehmen.? Werde ich genug Zeit haben, um Dich in Ruhe kennen zu lernen, oder wirst Du oft genug nur versorgt werden? Wie fügen wir Deine Bedürfnisse in den trubeligen Alltag ein? Wirst Du fordern oder fördern? Was wird Deine Rolle sein im Gefüge und wie wird es Deinen Geschwistern mit Dir gehen? Wie wird es Dir mit Deinen Geschwistern gehen? Ich bin so wahnsinnig gespannt auf Dich und was das Leben mit Dir bringt. Und ich will Dir gerecht werden. Ich will ein Stück des gefestigten Lebens für Dich aufgeben und ich will, dass alles so bleibt wie es ist.

Am Ende wird sich alles fügen und dieser Weg wird seine Kurven und Steigungen, seine Gefälle und Engen zeigen, die schon vorherbestimmt sind. Ich weiß, dass es richtig ist und ich weiß, dass es gut wird. Ich weiß, dass wir als Familie wachsen – innerlich und äußerlich – und ich weiß, dass das Leben so viel für uns bereit hält.

Und dennoch: Wie werde ich allen gerecht?

Unterschrift

 

Foto: Pixabay

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