Advent Advent, die Stimmung brennt | Entschuldigung, Romantik bitte!

Ja ja, die Adventszeit. Jedes Jahr freue ich mich darauf und bin kribbelig, wenn es endlich losgeht. Besonders seitdem ich Kinder habe, möchte ich den Zauber so groß wie möglich gestalten und ihnen eine unvergessliche Zeit bescheren. Aber Zuckerguss ist eben oft nur im Fernsehen! Unser Adventswochenende war eine Katastrophe und ich bin froh, dass ich jetzt alleine bin und laut Nicht-Weihnachtsmusik hören darf.

Die ganze Woche war irgendeiner krank zuhause. Es war also klar, dass das Wochenende zum Erholen da sein musste. Wir hatten keine Termine, keine Verpflichtungen, keine Verabredungen. Herrlich! Ich hatte eingekauft für ein großes Adventsfrühstück, alles ist geschmückt, dieses Jahr habe ich sogar nochmal in die Tasche gegriffen und ein paar Dekosachen mehr gekauft. Zum 1. Advent gab es noch ein neues Weihnachtsbuch, im Adventskalender waren „auch mal“ Süßigkeiten. Was also war das Problem?? Kein Ahnung. Aber romantisch war das jedenfalls nicht. Nur Genöle, Streit, Unzufriedenheit.

Undankbarkeit! Kann man das bei so kleinen Kindern sagen? Es ist jedenfalls das Gefühl, das bei den Eltern aufkommt, die sich schon vor der Adventszeit ein Bein ausreißen und sich überlegen, wie sie diese Zeit für die Kinder besonders zauberhaft und verwunschen gestalten können. Neulich erzählte eine Mutter auf dem Elternabend in der Kita, dass sie mit der Tochter die Abmachung hat, dass wenn sie an ihrem Adventskalender herummeckert, dieser auch wieder verschwinden kann. Selbstverständlich überlegen die Kinder sich nicht, dass sie den Eltern nun auf den Senkel gehen wollen. Nichtsdestotrotz ist der Frust groß, wenn man das Gefühl hat, das alles ist nicht genug. Weniger ist mit Kindern eben doch oft mehr! Man möchte leuchtende Kinderaugen, frohe Gesichter, glückliche Familienmomente. Es MUSS so sein, schaut man sich im Netz mal um. Überall nur die Adventsromantik, besinnliche und frohe Familien, die sich kuschelnd in den Armen liegen. Ein verklärtes Bild, das die reine Utopie ist. Mit kleinen Kindern glänzt Gold eben nicht immer.

Sind es meine zu hohen Erwartungen? Ganz sicher. Wie kann ich von einer Vier- und einem Dreijährigen erwarten, sich ausgerechnet in der besinnlichen Weihnachtszeit, auch „besinnlich“ zu benehmen? Seit Wochen sind sie krank und durch den Wind. Daran ändern auch ein paar Kerzen und der Adventskalender nichts. Der Mann musste für ein neues Projekt ein Überstunden-Paket anmelden. Warum sollten diese Überstunden nicht in der Adventszeit liegen? Und meine Symphysen sind nun mit aller Macht zurück gekehrt, sodass ich ausgerechnet in der Adventszeit gehandicapt bin. Jedes Jahr sehe ich das Bild von der Familie vor mir, wie wir auf Weihnachten zugehen, frohen Mutes und gespannt, was das Fest der Liebe bringt. Jeden Tag mit einem neuen besonderen Moment – sei es der Adventskalender, eine neue Bastelidee oder das Lesen der wunderbaren Weihnachtsbücher. Jedes Jahr vergesse ich, dass auch der Alltag noch genauso zuschlägt. Dass „Advent“ Ankunft Jesu Christi bedeutet und nicht Ankunft der absoluten Harmonie und Verklärtheit.

Ich habe mir so viel überlegt, so viel gebastelt, gebacken und geschmückt. Ich mache jetzt erstmal ein paar Tage Adventspause. Vielleicht kommt dann das Gefühl wieder, sich gemeinsam auf das wunderschöne Weihnachtsfest zu freuen. Ich bin mir sicher, dass die nächsten Wochen ganz besonders werden. Jetzt brauche ich aber erstmal Kopf „freimachen“ im Büro und dann träume ich mich im Netz zu unserem nächsten Italien-Urlaub in 2018 und schaue mir Sommer-Bilder an.

In diesem Sinne: allen Mit-Gefrusteten ein fröhliches „Tschakka“!

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3 Kommentare zu „Advent Advent, die Stimmung brennt | Entschuldigung, Romantik bitte!

  1. Liebe Sophia,
    Ich kann dir von ganzen Herzen versichern, hier war es genauso …genöle, schlechte Laune und gefühlte ‚undankbarkeit‘
    Und ja meine Erwartungen waren die selben wie bei Dir…
    und sogar ähnliche Drohungen wegen dem Adventskalender wurden hier ausgesprochen.
    Aber die Adventlichen Erwartungen sind eben nur Erwartungen (der Eltern, besonders der Mama) und haben wenig mit der Realität des Alltags mit 4 Kindern zu tun.
    Ich denke wir müssen es einfach genießen wie es kommt und hoffen je älter die Kinder werden, desto mehr verstehen sie.
    Einen lieben winterlichen Gruß aus dem anderen Ende der Republik.
    Dede & Co.

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    1. Liebe Dede, hab Dank für deinen Zuspruch. Ich glaube es geht vielen Familien so, man hat nur immer den Druck, es alles so wunderbar aussehen zu lassen. Dir mit vier Kindern muss es da nochmal anders gehen. Ich habe mir fest vorgenommen, die Erwartungen nächstes Jahr runter zu schrauben. Bei mir und bei den Kindern. Mal sehen, wie das funktioniert…
      Habt trotzdem eine gute Zeit und irgendwie bleiben ja genug magische Momente – trotz Geschrei und Zank.
      Liebste Grüße aus Hamburg

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