Schlafen üben oder: Wie ich den Rhythmus lieben lernte

Die große Diskussion über das Schlafen der Kinder verfolge ich nun schon einige Jahre. Jede Familie hat ihren eigenen Weg, jede macht es anders. Einigen macht der Schlafmangel nichts aus, andere gehen am Stock. Ich persönlich konnte sehr schlecht mit den ständigen Unterbrechungen in der Nacht umgehen, sodass das Schlafen – sowohl des Kindes als auch meines – schnell zum großen Thema wurde.

Nun liest man viel – vor allem im Netz – über das „selbstbestimmte“ Schlafverhalten der Kinder und dass es besonders gut ist, den Kindern in dieser Sache das Kommando zu überlassen. Dass sie irgendwann schon durchschlafen, man muss nur Geduld haben. Dass Eltern stundenlang Händchen halten und das selbstverständlich gerne machen, statt die Zeit für sich selber zu nutzen. Dass man das Kind keinen einzigen Moment „meckern“ lassen darf, denn das grenzt an Missbrauch. Ich bin da anderer Meinung. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es durchaus kein egoistischer Zug der Mutter ist, möglichst alle Familienmitglieder zum Durchschlafen zu bekommen. Auch den Kindern tun möglichst lange Tiefschlafphasen gut, das ist wissenschaftlich bewiesen. Ich werden nie vergessen, wie meine Hebamme  nach der Geburt des Jungen zu uns kam um ihn zu untersuchen. Er war lag aber gerade fest gepuckt und tief schlafend in seiner Wiege im hintersten Zimmer unserer Wohnung. Sie sagte zu mir: „Ist das schön zu sehen, dass du deinem Kind eine richtige Tiefschlafphase gönnst. Das ist so wichtig schon für die Kleinen um alles zu verarbeiten, was sie auf dieser Welt erleben und vielen Kindern wird das nicht ermöglicht.“

Auch kleine Kinder können, nach zu vielen Unterbrechungen in der Nacht, schlechter Laune und unausgeschlafen sein. Warum soll man ihnen nicht zeigen, dass Durchschlafen eine gute Sache ist? Ich habe meine Kinder niemals schreien lassen und ich habe sie auch niemals hungern lassen. Erst recht nicht Nachts. Ich habe sie niemals gequält oder hinten an gestellt! Aber es gibt Mechanismen, die die Kinder schneller die Nacht durchschlafen lassen und die haben überhaupt nichts mit Quälerei zu tun. Meine Kinder haben mit vier und sechs Monaten mit einer Unterbrechung durch geschlafen von ungefähr 19:00 bis 07:00 Uhr. Und das habe ich weder mit brutalem Schlaftraining noch mit Medikamenten geschafft. 🙂 Ich habe viel gelesen über Rhythmus mit Kindern und welche Auswirkungen er auf die Entwicklung und das Familienleben hat. Für mich ganz persönlich war klar: ich verzichte auf die absolute Freiheit mit Kind und halte mich an meinen selbst gewählten Tagesablauf. Keine spontanen Café Besuche, sondern ein Kind, das Mittagschlaf im eigenen Bett macht. Wie anfangs schon gesagt, hat jeder seine eigenen Prioritäten und seinen individuellen Weg. Ich wusste, ich wollte in einigen Punkten wie Spontanität oder Unternehmungslust zurück stecken, um Entspannung zu erreichen. Von Anfang an haben wir mit unserer Tochter einen festen Rhythmus gehabt. Immer die gleichen Essenszeiten, immer die gleichen Zu-Bett-geh-Rituale, immer die gleichen Maßnahmen, wenn nachts gefüttert oder gewickelt werden musste. Es hat unserer Familie wahnsinnig viel Ruhe gebracht und Kinder, die verhältnismäßig gut geschlafen haben. Und aus diesem Grund natürlich auch die Eltern.

Meine Kinder sind selbstbestimmt und genießen viele Freiheiten. Ich versuche sie zu selbstbewussten starken Menschen zu erziehen. Aber Kindern schaden keine vorgegebenen Rahmen für bestimmte Lebensbereiche, im Gegenteil. Sie brauchen sie. Und dass sie nachts oft aufwachen hat viele Gründe. Es ist nicht immer nur Hunger oder das unbändige Nähebedürfnis. Meine beiden Kindern haben zum Beispiel sehr viel besser geschlafen, als sie in ihrem eigene Zimmer schlummern durften. Die Schlafgeräusche und das Umdrehen der Eltern haben sie mindestens genauso oft geweckt wie der Hunger. Katharina von StadtLandMama hat übrigens hier einen Text zum Familienbett geschrieben, der mir eins zu eins aus dem Herzen spricht.

Es wird immer viel darüber geredet, dass wir Mütter mehr auf uns achten sollten und uns etwas Gutes tun. Aber manchmal ist das nicht vereinbar mit dem Gedanken, die Kinder bestimmten Dinge wie Schlaf und Essen selber und genießen alle Freiheiten. Für mich war der Schlaf ausschlaggebender Faktor für ein entspanntes Miteinander und als ich merkte, dass mein Kind so extrem dankbar ist für einen strengen Rhythmus und viele viele Rituale, wusste ich, dass es der richtige Weg ist. Der richtige Weg für uns und unsere kleine Familie.

Der Dogamtismus, mit dem in der Mütterwelt oft die Freiheit der Kinder (auch der Säuglinge) gepredigt wird, redet uns Frauen ein, dass die Aufopferung für unsere Kinder natürlich, modern und nachweislich das Beste für das Kind ist. Mütter, die am Stock gehen sind NIE das Beste für ihr Kind! Was habe ich mir anhören müssen, dass unsere Kinder nicht mit uns in einem Zimmer geschlafen haben! Als würde ich sie deshalb nicht hören, quälen oder vernachlässigen. Sogar meine Hebamme hatte überhaupt nichts dagegen. Dafür hatten wir alle ein paar Stunden Schlaf am Stück und das beseelt, gerade in der ersten Zeit mit Säugling.

Was also habe ich getan für das NATÜRLICHE Durchschlafen meiner Kinder? Ein paar Tipps.

1. Wie schon gesagt, habe ich meine eigene Freiheit eingeschränkt und einen für mich und das Kind passenden Rhythmus eingeführt. Natürlich ging das nicht von einem Tag auf den anderen. Peu à peu habe ich die Schlafens- und Essenszeiten getimed. Natürlich nicht auf die Minute, sondern nur ungefähr, aber alles immer im Rahmen von ca. 15 Minuten. Jedenfalls für den Anfang, wenn es noch drauf ankommt. Mit etwas älteren Babys ist es dann nicht mehr so streng. Ein Beispiel: Ich wollte also, dass das Kind einen langen Mittagschlaf macht, damit es den Nachmittag gut durchhält. Dieser eingeübte Mittagschlaf kommt ihm dann auch in der Kita zugute. Also habe ich das Baby Vormittags nicht 4 Stunden schlafen lassen, sondern irgendwann so geweckt, dass ich wusste, es ist ausgeschlafen genug um Mittag zu essen und ein wenig zu spielen. Es ist ja allgemein bekannt, dass jedes Alter ein gewisses gesundes Schlafpensum hat. Das variiert natürlich von Kind zu Kind, aber ungefähr lässt es sich doch festlegen. Den Schlaf tagsüber deshalb im Blick zu haben und den Mumm, das Kind auch mal lieb und gefühlvoll (!) zu wecken, kommt dem Nachtschlaf entgegen.

2. Meine Kinder haben, so oft es ging im eigenen Bett geschlafen. Gepuckt, aber das ist wieder eine andere, ganz eigene Philosophie. Ich hatte nach den Geburten starke Rückenprobleme und konnte meine Kinder nicht den ganzen Tag herum tragen. Zudem haben sie nie geschrien, wenn ich sie abgelegt habe, da sie es von Anfang an gewöhnt waren. Wenn sie doch gemeckert haben, durften sie selbstverständlich auch auf Mamis oder Papis Arm schlafen, aber dann haben wir sie immer irgendwann in ihr eigenes Bettchen gelegt. Ziemlich früh hat das auch schon wach funktioniert. Gepuckt und wach habe ich sie hingelegt, gesungen und bis später gesagt. Und sie sind ohne weinen alleine in ihrem Bett eingeschlafen. Ich bin der Überzeugung, dass es oft das weiche und emotionale Mutterherz ist, das diese Situation nicht übers Herz bringt, aber es macht vielen Kindern garnichts aus. Auch nachts habe ich nicht stundenlang an ihren Bettchen gesessen und gewartet. Durch die frühe Gewöhnung an das alleine im eigenen Bett einschlafen, ging das auch nachts meistens sehr gut. Selbstverständlich war das nicht immer und von Anfang an so. Immer wieder hatten wir Nächte, in denen wir die Babys herum getragen haben, in denen ich viele Stunden mit ihnen verbracht habe. Bei Wachstumsschub, Krankheit oder Liebesbedürfnis. Aber im Normalfall ging alles gut. Es kostet einfach Überwindung bei den ganz kleinen schon so konsequent zu sein, aber es schadet ihnen nicht! Ich habe sie NIE schreien lassen und bei offenen Türen immer gehört!

3. Das Kinderzimmer haben wir ziemlich dunkel gestaltet. Bei IKEA gibt es Verdunkelungsvorhänge in allen Farben. Also war auch beim Mittagsschlaf das Zimmer dunkel. Das hat das Einschlafen und Durchschlafen erleichtert. Denn auch während der Schlafphasen am Tag haben die Kinder leichtere und tiefere Phasen. Die leichteren Phasen zu „überschlafen“ ist der Trick und das geht mit einem dunklen Zimmer. Zum Wickeln oder Stillen nur ein ganz kleines gedimmtes Licht anmachen, dass man gerade so etwas erkennen kann. Außerdem haben wir, vor allem Nachts, möglichst wenig mit dem Baby gesprochen. Herzlos? Keineswegs. Der Körperkontakt war immer da und leises flüstern auch, wenn nötig. Aber kein „Na, was ist denn meine Kleine? Hast Du Bauchweh? Warum weinst Du denn?“. Das weckt die Kinder erst so richtig auf. Sie wurden liebevoll gefüttert, gewickelt und gekuschelt und dann wieder in ihr Bettchen gelegt. Mit möglichst wenig Geräuschen. Das führte dazu, dass sie sofort wieder einschliefen, weil sie eigentlich gar nicht richtig wach waren.

4. Man darf Kinder nicht schreien lassen. Das unterschreibe ich zu 100 Prozent, diese Zeiten sind vorbei. Aber das Kind bekommt keinen Schaden, wenn ich nicht nach dem ersten Muckser sofort am Bett stehe und vor Sorge vergehe. Die Kinder machen auch im Schlaf Geräusche oder weinen ein paar Sekunden. Nicht immer sind sie aber dabei wach und bedürfen unser. Ich habe immer bis zu 30 Sekunden gewartet, wenn ich mein Kind hörte und bin dann erst zu ihm ins Zimmer gegangen. Ich schätze in 60% der Fälle war das aber nicht nötig, da die Kleinen schon längst wieder friedlich schlummerten. Indem man bei jedem Geräusch nach dem Rechten sieht, weckt man die Kinder oft gerade erst auf. Es kostet Überwindung, einen Moment zu warten. Doch mit der Zeit wird man entspannter…

Diese Gedanken sind einfach nur ein Bericht meiner Erfahrungen und sicher nicht für jeden passend. Mancher liebt es die Kinder im Bett zu haben, es macht ihm nichts aus geweckt zu werden und er schläft trotzdem tief und fest wieder ein. Andere aber bekommen vielleicht genau wie ich ein schlechtes Gewissen eingeredet und freuen sich über Zuspruch zu einem ganz anderen Weg. Und ich bin überzeugt, dass zu viele Theorien, Methoden und Erziehungsrichtlinien viel zu oft die Intuition töten. Wir Mütter haben doch meistens im  Gefühl, was die Kinder brauchen. Häufig überinterpretieren wir Dinge, weil es viel zu viele dogmatische Vorgaben gibt, wie man sein Kind zu sehen, zu behandeln oder zu fördern hat. Mit einfachen Mitteln haben wir als Familie unseren Schlaf gefunden. Ohne Stress, ganz natürlich. Mit viel Nähe und Liebe. Ohne Ratgeber, fremde Weisheiten oder Geschrei.

In diesem Sinne: Gute Nacht!

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