Randale-Morgen | Wenn der Trotz die Oberhand gewinnt

Ich sitze im Café und atme tief durch. Langsam, ganz langsam weicht die Aggression. Ich bin aufgewühlt und sauer. Was ist plötzlich passiert? Der Sommer war relativ entspannt, beide Kinder fröhlich und umgänglich. Wir hatten eine gute Familienzeit. Und nun? Geschrei den ganzen Tag, „Nein“ den ganzen Tag, Verweigerung auf ganzer Linie. „Das liegt an dem Baby“ sagen alle. Schön, das nützt mir auch nichts. Ja, Mein Sohn ahnt wohl, dass da was im Busch ist und kann es nicht einordnen. Die Ungewissheit, was da kommen wird zusammen mit geballter Trotz-Phase wühlen sein Inneres auf und lassen ihn unkontrolliert explodieren und provozieren. Ja, ich kann mir das erklären und ich versuche auch, Verständnis aufzubringen. Aber das hat Grenzen. Manchmal ist kein normaler Alltag möglich. Nur Gebrüll und Anti-Mami-Stimmung. Im nächsten Augenblick klebt er an mir und will mit niemand anderem zu tun haben. Ich sehe seine Zerrissenheit. Aber ich sehe auch meinen Geduldsfaden immer dünner werden. Mit jedem Tag werde ich dünnhäutiger, weinerlicher. Der Terror zehrt an meinen Nerven.

Ich weiß, ich schreie dann. Aber manchmal weiß ich mir nicht anders Luft zu machen. Ich versuche in seine kleine Seele zu schauen und nachzuvollziehen, was ihn bewegt. Ich weiß, dass Kinder spüren, wenn Umbruch ansteht. Und ich bin mir bewusst, dass ein  2 3/4 Jähriger nicht rational sein oder verstehen kann, wie sehr sein Verhalten beeinflusst. Ich nehme ihn in den Arm, so oft er es zulässt, ich sage ihm, wie lieb ich ihn hab. Ich tröste ihn und weine vor Rührung, wenn der aufgebrachte Körper sich der Umarmung ergibt.

Aber ich weine auch um mich. Um den missglückten, lauten Start in den Tag. Über das missglückte, laute Abendritual. Darüber, dass wir nicht wirklich Spaß gehabt haben heute. Ein Tag, den ich nicht in Erinnerung behalten will.

Nun sitze ich hier im Café uns genieße einen warmen Tee und die Musik. Ich denke darüber nach, wie ich mich verhalten habe und was ich heute Nachmittag anders machen will. Wenn ich die Kinder von der Kita abhole, starten wir noch einmal neu in den gemeinsamen Tag. Ich freue mich darauf, den kleinen Kotzbrocken ganz fest in den Arm zu nehmen!

Unterschrift

Bildcredit: Tollabea.de

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