Demut ist die Fähigkeit, auch zu den kleinsten Dingen des Lebens empor zu sehen…

… so sagte einst Albert Schweizer. Überall begegnet mir im Moment das Wort Demut, in den sozialen Netzwerken ebenso wie in der Zeitung. Als wäre es wieder „in“ demütig zu sein. Dabei ist es schon seit langer Zeit ein sehr kontroverses Wort bzw. Eigenschaft, die keinesfalls nur positiv belegt wurde.

Demut hatte ursprünglich seine Berechtigung in Zusammenhang mit Glaube und Gott. Demut als Ergebenheit, der Mensch als Diener Gottes. Dabei besteht das althochdeutsche Wort diomuoti aus „dienen“ und „Mut“. Für den modernen Menschen war das lange negativ behaftet, denn der demütige war dienend, sich verbeugend. Demut im Sinne fremdgesteuerter Unterwerfung. So kann man sagen, dass die Demut mit der Aufklärung an Bedeutung verlor, da der Mensch sein Leben selber in die Hand nahm und sich nicht mehr beugen wollte.

Nun macht sich das Gefühl breit, dass die Moderne nicht nur Positives gebracht hat, im Sinne von moralischer Verbindlichkeit. Es scheint, als würden die Menschen sich wieder auf Werte und Tugenden besinnen, die dem Leben mehr Sinn, der eigenen Existenz mehr Inhalt geben. So ist auch der „Trend“ zur Nachhaltigkeit eine Art Demut. Sich höheren Zielen als sich selbst zu verpflichten. Das kann man ja nur als positiv bewerten.

Ich persönlich habe die Demut eigentlich erst „entdeckt“ als ich Kinder bekam. Als junger Mensch, der sich noch selber findet, waren andere Dinge wichtig: Anerkennung, Leistung, Spaß. Aber jetzt, da ich eine intakte eigene Familie habe, kommen mir viele dieser Dinge so unwichtig vor. Ich verneige mich vor dem Privileg gesunder, vor Vitalität nur so strotzender Kinder, einem liebevollen, unfassbar loyalen Ehemann, einer Welt voller kleiner Wunder und der Natur, die uns das Leben ermöglicht. Wie heißt es so schön: Wenn man weiß, was man verlieren kann, lernt man es schnell zu schätzen. Das Gefühl, dass es große Dinge gibt, die es zu erhalten gilt und die Dankbarkeit sie erfahren zu dürfen. Im Alltag vergisst man doch über so einigen Frust, dass man es gut getroffen hat. Und wenn ich müde und genervt dasitze und mich selbst bemitleide, versuche ich mich daran zu erinnern, wie gut ich bedacht wurde.

In Thüringen habe ich meine Jugend verbracht und fühle mich Goethe verbunden, der auf seinen Reisen ja auch viele Beobachtungen des Lebens aufgeschrieben und seiner Bewunderung Ausdruck verliehen hat. Er hat einmal gesagt: „Alle Wege bahnen sich vor mir, weil ich in der Demut wandle.“

In diesem Sinne…

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