Vom Baum in die Flasche: Korkernte in Italien

Im ersten Moment unserer Ankunft in Castiglione della Pescaia fielen mir die rot leuchtenden, „nackten“ Bäume auf dem Grundstück und am Straßenrand auf. Noch nie hatte ich die Korkernte erlebt, geschweige denn mir Gedanken gemacht, wo die kleinen Propfen herkommen, die ich so Tag für Tag aus den Flaschen ziehe. :-) Also, habe ich mich in Angesicht der geschälten Korkeichen mal ein bisschen eingelesen und Euch ein paar Infos zusammen gestellt zu meinem neuen Klima-Wunder.

Die Korkeiche (lat. Quercus suber) ist ein immergrüner, bis zu 25 Meter hoher Baum mit runder Krone. Er ist vor allem in Nordafrika und Südeuropa verbreitet. Seine Borke ist bis zu 15 cm dick, tief gefurcht und eben korkig. Die Rinden-Platten bester Qualität werden zur Herstellung von Flaschenkorken verwendet. Die zweite Wahl wird zu Fußbodenkork oder Tapeten verarbeitet, der schlechteste Kork wird als Dämmmaterial oder Granulat verwendet. Das Granulat wird zum Beispiel auch als Fußbett für Sandalen gepresst.

Der Kork ist eine Anpassung an die häufigen Waldbrände der Region und macht den Baum feuerfest. Der so genannte „männliche“ Kork, den die Korkeiche in den ersten Jahren bildet, ist ohne Nutzwert. Er wird vorsichtig abgeschält, um die darunter liegende Rinde nicht zu beschädigen. Ab dem 20. bis etwa zum 150. Lebensjahr des Baumes wird der „weibliche“ Kork etwa alle 9 bis 12 Jahre vom Stamm geschält. Erst dieser Kork hat die richtige Dicke, um daraus Flaschenkorken herzustellen. Bei der ersten Schälung hat der Kork noch eine sehr raue Oberfläche und schlechte Qualität. Erst die nachfolgenden Schälungen besitzen eine glattere Struktur und damit die bessere Qualität.

Die Korkeiche und -ernte hat viele Vorteile, die den meisten Korkgegnern wohl nicht bewusst sind. In allererster Linie sind Korkeichen optimale Klimaverbesserer: Über die Baumkrone nehmen die Bäume CO2 auf und verringern die Umweltverschmutzung. Nach der Entrindung, die viele als „schmerzhaft“ für den Baum wähnen, lassen sie, Sauerstoff in einer größeren Menge frei. Je öfter sie entrindet werden, desto mehr. Auch die Qualität des Korks steigt mit der Zeit. Es ist also ein nachwachsender Rohstoff, dessen Ernte den Bäumen keinesfalls schadet. Die Korkeiche bindet in der Rinde fünfmal mehr CO2 als andere Bäume. Die gesamten Korkeichenwälder, die es nur im Mittelmeerraum gibt, verwandeln jährlich 14 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid in vielseitig verwendbaren Kork – glatte zehn Prozent des CO2-Ausstoßes im deutschen Straßenverkehr.

Immer wieder hört man, dass es häufiger Plastikkorken auf den Flaschen gibt, da nicht genug Kork geerntet wird und der Bestand in Gefahr ist. Das ist tatsächlich nicht richtig. Kork ist im Überfluss vorhanden. Die zunehmende Verwendung von Alternativen gefährdet die Korkwälder. Zudem ist das Schälen von Korkeichen eine Kunst. Die Arbeiter verdienen mehr als in anderen Bereichen in der Landwirtschaft. Die Korkproduktion sichert damit Arbeitsplätze und Existenzen und wirkt einer Landflucht entgegen. Wenn sich die Produktion nicht mehr lohnt, droht die Umwandlung in Pinien- oder Eukalyptusplantagen, was eine Katastrophe für Artenreichtum und ohnehin knappe Wasserressourcen ist.

Kork ist nicht nur ein nachwachsender sondern vor allem auch wieder verwertbarer Rohstoff, dessen Ökobilanz sehr viel besser ist als jener der Plastikstopfen und Schraubverschlüssen. Jährlich fallen allein in Deutschland viele hundert Mio. Wein und Sektkorken an. Weil das Naturprodukt für eine einmalige Nutzung viel zu schade ist, gibt es mehrere Initiativen, die Kork recyceln. Alte Korken werden gemahlen und nach der Reinigung beispielsweise als ökologischer Dämmstoff für die Isolierung von Außenwänden oder Dächern angeboten.

So viel zu unserer kleinen Kork-Exkursion. Liebe Grüße aus Italien!

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