Auf dem Sonnendeck der Ostsee

Nordish by nature – die See zeigt mir immer wieder, dass ich ein echtes Nordlicht bin. Eine steife Brise, Federwolken und Strandkörbe so weit das Auge reicht. Da geht mir das Herz auf.

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Ich hatte zwei Tage Auszeit und bin mit meiner lieben Freundin Stephi nach Heiligenhafen gefahren. Ungefähr 1,5 Stunden von Hamburg entfernt ist es perfekt gelegen für einen Wochenend-Ausflug – direkt an der Brücke nach Fehmarn. Da wir Donnerstag bis Samstag fuhren, bekamen wir auch noch ein Zimmer im gerade eröffneten und bereits fast ausgesuchten Beach Motel. Das möchte ich euch weiter unten vorstellen.

Der Strand ist weiß und sauber, das Wasser klar und der Sonnenuntergang ist besonders schön von der 2012 neu eröffneten Seebrücke, die 400 Meter ins Meer ragt. Zuerst empfand ich sie als Verschandelung der Küste. Beim erkunden aber stellte sich heraus, dass sie ein paar interessante architektonische Kniffe bereit hält. In Erinnerung an alte Brücken mit den typischen Planken gestaltet, aber durch abendliche Beleuchtung modern interpretiert, gibt es unter anderem sowohl ein gesichertes Klettergerüst als auch eine große Wasserbahn für Kinder. Moderne wellenförmige Bänke laden zum verweilen und beobachten ein. Auf diesem Teil fühlt es sich an, als säße man auf dem Sonnendeck eines großen Dampfers. Alles in allem eine schöne Möglichkeit, dass unendliche Meer noch intensiver zu erleben.

Das Beach Motel liegt etwas abseits vom Stadtkern hinter dem Hafen in einem völlig neu gestalteten Gebiet. Die Seebrücke, die Hotels direkt am Strand und eine neue kleine Flaniermeile muten fast wie eine künstliche kleine Stadt an. Am Donnerstag kam man sich ohne Touristen ein wenig vor wie in einer verlassenen Westernstadt. Am Pfingstsamstag waren wir dann froh, den Massen und der Rumtata-Musik zu entfliehen. Das Hotel ist ganz im Surfer/Beach Style gehalten: helle Möbel, moderne Beleuchtung, ein bisschen Shabby Chic. Immer wieder wird man überrascht von coolen Gimmicks wie der Hutwand, dem Fotoautomaten und mit Bedacht gewählter Inneneinrichtung. Nette Sprüche und ein persönlicher und dennoch hoch professioneller Stil geben einem das Gefühl, als Gast der König zu sein. Und natürlich fehlen im Zimmer nicht das Tablet zum surfen und Musik hören oder die Ladekabel mit Anschlüssen für jegliches mobiles Gerät. Da hat jemand definitiv mitgedacht. Die Zimmer sind mir persönlich ein bisschen zu eng . Hier zahlt man eben für den Style. Es wurde aber versucht, die fehlende Großzügigkeit durch anderen Komfort auszugleichen. Das Bett war dafür extrem bequem!

Das Frühstücksbuffet ist sehr vielfältig und üppig. Wir haben es genossen, zwischen Süßem und Salzigem, Eiern, Milchreis, frischem Fisch und vielem mehr wählen zu können. Kaffee zieht man sich selbst an zwei Automaten – anstehen musste man eigentlich nie. Wir hatten das Gefühl, das Team ist noch nicht ganz eingespielt so kurz nach der Eröffnung, aber sie haben es durch Charme wieder wett gemacht.  Die Räumlichkeiten, in denen auch Abends der Restaurantbetrieb stattfindet sind ebenso stilvoll und großzügig eingerichtet wie der Rest des Hauses. Neben den normalen Tischen gibt es auch Lounge-Bereiche, wo man sich in gemütliche Sessel fallen lassen kann. Leider waren wir von der abendlichen Speisekarte ziemlich enttäuscht. Sie war sehr klein und bot kaum Wahlmöglichkeiten. Als wir uns für den Fisch entschieden hatten, war dieser nicht mehr zu haben und durch Lachs ersetzt. Das Gericht an sich schmeckte sehr gut, aber es war für uns durchaus ein Kompromiss. Der Blick vom Restaurant ist aber sowohl vom Frühstückstisch als auch beim Abendmahl einfach hinreißend.

Heiligenhafen selber haben wir am mit einem kleinen Bummel erkundet. Neben einem gut sortierten Kindermodegeschäft und einigen Kramsläden ist was Shopping betrifft nicht viel zu holen. Aber die kleine Altstadt zeigt immer wieder nette Ecken, wie sie typisch sind für die Nordischen Gefilde. Die kleine Stadtkirche wurde im Jahr 1250 in romanisch-gotischem Übergangstil erbaut, fünfzig Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Heiligenhafen. Sie gilt als frühes Zeugnis der Christianisierung Norddeutschlands. Die Kirche wurde mehrfach baulich verändert, ihre heutige Gestalt erhielt sie in den 1950er Jahren. In den 1970er Jahren wurde der Innenraum neu bestuhlt und der Altar neu gestaltet, 1974 wurde eine neue Orgel eingebaut. Besonders charmant sind die alten Modellschiffe, die in der Kirche hängen. Sie unterstreichen zusätzlich die Schifffahrtstradition des Ortes.

Alle Bootsliebhaber kommen in der Marina Heiligenhafen auf ihre Kosten. Der Yachthafen ist seit 2006 mit 5 Sternen ausgezeichnet und bietet nahezu 1000 Liegeplätze für Motor- und Segelyachten. Besonders hervor hebt er sich durch seine einmalige Lage fast direkt in der Stadt und dem angrenzenden vorgelagerten Warder mit dem langen Badestrand. Außerdem kann man sich hier mit allen wichtigen und angesagten Accessoires für das beliebte Hobby ausrüsten.

Zum Schluss kann ich nur sagen, dass die Tage an diesem wunderbaren Ort einfach wahnsinnig entspannt waren und kann Heiligenhafen allen Wasserratten nur empfehlen.

Zum Schluss noch ein besonderes Gedicht von Rainer Maria Rilke, das einfach alles sagt:

Am Strande

Vorüber die Flut.
Noch braust es fern.
Wild Wasser und oben
Stern an Stern.

Wer sah es wohl,
O selig Land,
Wie dich die Welle
Überwand.

Noch braust es fern.
Der Nachtwind bringt
Erinnerung und eine Welle
Verlief im Sand.

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Ahoi und bis zum nächsten Mal!

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